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Erste Bank verlangt Strafzinsen für Ersparnisse

Von Handelsblatt — 29.10.2014

Eine kleine Bank aus Thüringen macht den Anfang: Zum ersten Mal müssen Kunden draufzahlen, wenn sie Geld zur Bank bringen. Betroffen sind zunächst nur vermögende Kunden. Wird das Beispiel Schule machen?

Webseite der Deutschen Skatbank: Strafzinsen für Einlagen ab 500.000 Euro.

news21
Quelle: Screenshot

Düsseldorf. An Niedrigzinsen haben sich Sparer schon gewöhnt. Neu ist, dass sie draufzahlen müssen, wenn sie ihr Geld zur Bank bringen. Bei der Deutschen Skatbank im thüringischen Altenburg wird das künftig so sein.

Betroffen sind Kunden mit größeren Vermögen: Auf dem Skatbank-Tagesgeld gilt ab dem 1. November ein Negativzins von 0,25 Prozent für Einlagen über 500.000 Euro. Damit ist sie die erste Bank in Deutschland, die einen Strafzins verlangt.

Ein Scherz? Oder ein neuer Trend?

„Bisher sehen wir nur eine Bank mit einem Negativzins und wegen der hohen Einlage sind Durchschnittssparer noch nicht betroffen. Aber es ist nicht auszuschließen, dass andere Geldinstitute nun folgen“, sagt Ingo Weber, Geschäftsführer beim Verbraucherportal Verivox.

Bei der genossenschaftlichen Bank, eine Zweigstelle der VR-Bank Altenburger Land, war am Mittwochnachmittag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Die Deutsche Skatbank ist beliebt bei Vereinen, sie hat nach eigenen Angaben rund 15.000 Kunden – wie viele davon tatsächlich von den Strafzinsen betroffen sind, ist leider nicht bekannt.

Auf der Webseite der Skatbank heißt es unter dem Punkt „Neuigkeiten“: „Aufgrund der aktuellen Entwicklung am Geld- und Kapitalmarkt passt die Skatbank ihre Zinssätze entsprechend an.“ Damit ist zumindest klar, was hinter der eigenwilligen Entscheidung der Skatbank steckt: Es liegt an der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.

Die EZB hat die Leitzinsen in den vergangenen Jahren sukzessive gesenkt, damit die Banken billig an Geld kommen. Die Banken sollen dieses Geld an Unternehmen und Verbraucher weiterreichen. Bei der Kreditvergabe hakt es jedoch. Und deshalb ist die EZB noch einen Schritt weitergegangen: Seit dem Sommer verlangt sie von Geschäftsbanken einen Strafzins von 0,2 Prozent, wenn diese Geld bei der Notenbank parken.

Und was machen die Banken? Sie vergeben nicht etwa mehr Kredite, sondern geben die Strafzinsen an die Kunden weiter. Banken hätten von ihnen negative Zinsen auf Sichteinlagen verlangt, berichten erste Unternehmen. So sollte etwa der Stromkonzern Eon schon häufiger zahlen – konnte sich bisher aber entziehen, indem er auf andere Banken auswich oder Laufzeiten verlängerte.

Bislang hatte sich allerdings noch keine Bank getraut, einen Strafzins von Privatkunden zu verlangen. Zu groß war die Angst, die Kundschaft zu verprellen. Man stelle sich vor, eine Commerzbank, die sich nach wie vor teilweise in Staatsbesitz befindet, würde für Einlagen kassieren. Das Verständnis auf Seiten der Sparer und der Politik wäre vermutlich begrenzt.

Warum eine kleine Genossenschaftsbank bei den Strafzinsen vorprescht, bleibt ein Rätsel; auch warum die Bank auf den negativen Einlagezins der EZB noch einmal 0,05 Prozent draufschlägt. Die Stadt Altenburg im Osten von Thüringen ist weltbekannt für Spielkarten, vor allem für Skat. Daher auch der Name der Bank: Skatbank. Hoffentlich wissen die Banker, dass sie nicht überreizen sollten. Immerhin: Auch die Dispo-Zinsen hat die Skatbank nach unten angepasst – und ist dort der günstigste Anbieter im Land.